Teichabfischen in Heidenreichstein

Der Teich scheint zu kochen, es duftet nach frisch gebratenen Fisch und Kinder sowie Erwachsene, erfreuen sich mit Gummistiefeln durch den Matsch zu stapfen. Das beschreibt wohl das Teichabfischen in Heidenreichstein am Besten.

Das Schauspiel im hintersten Waldviertel ereignet sich immer Ende November. Ungefähr 1,5 Stunden Autofahrt von Wien entfernt erreicht man den perfekt organisierten Parkplatz und schlendert dann durch ein Waldstück ca. 10 Minuten zum Teich. Am Weg findet man diverse Stände die von selbstgeschöpften Seifen, bis hin zu Speck, Käse und Drahtbürsten, alles bieten was das Herz begehrt.
Um 9 Uhr morgens werden im Teich zum ersten Mal mit dem Netz die Karpfen eingefangen. Echte Manneskraft ist dafür nötig um den Fisch mit bis zu 3kg aus dem Wasser zu holen. Nebenbei wird das Spektakel erklärt und moderiert. Jede Stunde wiederholt sich der Vorgang und man sieht wie das Wasser im Teich immer weniger und weniger wird.  Neben dem Abfischen des Teiches kann man sich einen Film ansehen, die Fische in einem Aquarium aus der Nähe begutachten, Holzkarpfen fischen (ein Hit für Kinder!) und Karpfenstücke über dem Feuer grillen.
Doch ohne Essen wäre das Ganze nur halb so schön! Karpfen hat viele Facetten und das wird einem von den diesigen Vereinen auch gezeigt. Von gebeizten Karpfen, über Knusperkarpfen bis hin zum klassischen gebackenen Karpfen wird einem alles geboten. Da ist für jeden etwas dabei.

Die Karpfenzucht in Mitteleuropa steht für eine der ältesten und nachhaltigsten Methoden um Fische zu züchten. Nach dem Schlüpfen ziehen die kleinen Karpfenlarven in den Teich in welchem sie den  Sommer verbringen. Karpfen nehmen nur in den warmen Monaten an Gewicht zu und verlieren es in der kalten Jahreszeit wieder (deshalb findet das Event im Herbst statt). Wenn man von „sömmrig“ spricht, meint man, dass der Karpfen einen Sommer alt ist und ein bestimmtes Gewicht hat. Die Karpfen ernähren sich von fast allem was im Teich lebt und werden auch als die Schweine des Wassers bezeichnet. In der Karpfenzucht wird nur mit Getreide, wie z.B. Mais oder Weizen zugefüttert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zuchtfischen benötigen sie kein Fischmehl oder dergleichen. Nach zwei bis drei Sommern werden die nun ca. 2-3kg schweren Karpfen abgefischt und einige Tage in Durchlaufbecken gehalten, wo sie ihren Teichgeschmack verlieren ehe sie filetiert werden. Neben dem Karpfen können im selben Teich auch andere Speisefische wie Welse, Hecht, Schleie, Graskarpfen oder Zander gezüchtet werden. So fettig wie die Allgemeinheit den Karpfen immer nennt, ist er gar nicht – Schwein und Rind haben einen doppelt so hohen Fettanteil!

 Ein Rezept zur Zubereitung von Karpfen findet ihr hier.